Daten & Fakten

Aus den – bisher noch spärlichen – Studien lässt sich schließen, dass Gewalt und Grenzüberschreitungen in Teenagerbeziehung und die gesundheitlichen Folgen auch in Europa und Deutschland ein ernst zu nehmendes Problem sind. Eine Befragung unter ca. 400 hessischen Schülerinnen im Jahr 2013 ergab, dass 65,7 % der Mädchen und 60,1 % der Jungen mindestens einmal irgendeine Form von Grenzüberschreitung oder Gewalt erlitten haben (vgl. Tedavi, Blättner 2015) 

Verhältnis Jungen und Mädchen

Die hessische Studie unterscheidet zwischen drei Formen von Gewalterfahrungen in Teenagerbeziehungen oder bei ersten Dates - emotional schwierige Situationen, körperliche Gewalterfahrungen und sexualisierte Grenzüberschreitungen. Die in der Studie befragten Mädchen waren nur von einer der drei Formen wesentlich stärker betroffen, nämlich von sexualisierter Gewalt. Auch waren sie häufiger von mehreren Formen gleichzeitig betroffen als die Jungen. In einer britischen Studie von 2009 („Gewalt in intimen Teenagerbeziehungen“) waren die Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt bei den Mädchen ebenfalls wesentlich höher (33 % der Mädchen im Vergleich zu 16 % der Jungen), allerdings berichteten hier auch mehr Mädchen - ca. 75 % - und 50 % der Jungen über emotionale Gewalterfahrungen.

Bei den Gründen, warum Mädchen und Jungen Gewalt in Beziehungen ausüben, wird diskutiert, dass Mädchen dies eher tun, um Grenzen zu setzten, sich zu verteidigen oder zu wehren, während Jungen mit Gewalt eher Kontrolle ausüben könnten. (Brzank) et al. 2013)

Ein gravierender Unterschied zwischen Mädchen und Jungen zeigte sich bei beiden Studien bei der Beeinträchtigung des Wohlbefindens nach Grenzverletzungen. Mädchen litten wesentlich stärker und länger unter dem Erlebten. Zu den Auswirkungen gehörten Konzentrations- und Lernschwierigkeiten, Veränderung von Ess- und Trinkverhalten, Angst vor Körperlichkeit und Verletzung bis hin zu Suizidgedanken. Das Gewalterleben ging stark mit Gefühlen von Angst, Wertlosigkeit, Scham und Schuldgefühlen einher.

Beim Hilfesuchverhalten fielen Jungen in der hessischen Studie dadurch auf, dass sie sich eher keinem anvertrauen würden im Vergleich zu den Mädchen, die sich eher Hilfe suchen würden und sich auch stärker an unterschiedliche Stellen wenden würden.

Situationen und Formen

Im Rahmen der TeDAvi- Studie an der Hochschule Fulda wurden in einem kleineren Folgeprojekt (Teen A) 50 Jugendliche an fünf verschiedenen Einrichtungen und Orten zu den grenzüberschreitenden und gewalttätigen Situationen, die sie erlebt haben, näher befragt. 

In vielen Situationen ging es um das Thema fehlendes Vertrauen und Eifersucht. Dies führte dazu, dass der Freund oder die Freundin kontrolliert wurden. Zum Beispiel wurde das Handy genutzt, um Nachrichtenverläufe heimlich zu lesen. Verbote wurden ausgesprochen, der Freund oder die Freundin durfte z.B. bestimmte Personen nicht mehr sehen. So haben sich Mädchen und Jungen verhalten, manchmal nur einer gegenüber dem anderen, manchmal beide wechselseitig.

In einzelnen Situationen haben Jungen aus religiösen, kulturellen und politischen Vorstellungen Verbote ausgesprochen, z.B. musste ein Mädchen ein Kopftuch tragen, weil es ihr Freund verlangte.

In einzelnen Situationen wurden Mädchen gezwungen, sexuelle Handlungen auszuführen und an sich zu dulden.

In einzelnen Situationen wurden Mädchen in der Beziehung regelmäßig und über einen längeren Zeitraum hinweg geschlagen, getreten, gedemütigt und beschimpft.

Ein Datenblatt zum Forschungsprojekt Teen A finden Sie hier

Durch die neuen Medien gibt es weitere Formen von Gewalt, wie Cyber Mobbing (Beschimpfungen, Beleidigungen oder Drohungen per E-Mail, SMS, Chat, Instant Messenger, Posting, Blogbeitrag, Fotokommentar etc.) oder Sexting (Veröffentlichen von intimen oder peinlichen Fotos oder Filmen in Online-Communitys)

Meinungen und Einstellungen Jugendlicher zu Gewalt in intimen Beziehungen

Während die hessische TeDaV-Studie Aufschluss über die Formen und Häufigkeit von Gewalterfahrungen in Teenagerbeziehungen gibt, wurde im Vorfeld zum EU-Projekt Heartbeat – Herzklopfen, Beziehungen ohne Gewalt (vgl. Der Paritätische (Hg.), 2010) eine anonyme Fragebogenerhebung zu den Einstellungen Jugendlicher gemacht. Die Ergebnisse weisen auf eine Banalisierung hin. Kontrollierendes, besitzergreifendes oder manipulierendes Verhalten wurden von vielen nicht als Gewalt oder grenzverletzendes Verhalten eingestuft.

Beispielsweise fanden 42,3 % der Befragten es „okay“, die SMS des Anderen zu lesen, ohne zu fragen.

30,9 % der Befragten fanden es „okay“, immer wissen zu wollen, wo der Freund/die Freundin ist.

30,4 % der Jugendlichen fanden, dass eine Person mehr oder weniger selbst Schuld daran ist, wenn sie verletzt oder bedroht wird.

(vgl. dazu diesen Link, S.10)

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