Frauenseiten Wetterau

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Interview mit der Frauenbeauftragten des Wetteraukreises Kornelia Schäfer

Frau sitzt an einem Schreibtisch

Kornelia Schäfer, Frauenbeauftragte des Wetteraukreises

Frage: Seit Mitte März sind Sie in Ihren neuen Büros in der Kaiserstraße und während des Umzugs begann die Corona-Krise. Wie sieht der Alltag im Fachdienst inzwischen aus?

Antwort: Wir sind gut angekommen und es funktioniert alles. Die Räume sind zwar kleiner, aber dafür haben wir jetzt einen Aufzug und sind barrierefrei zu erreichen.

Aufgrund der Kontaktbeschränkungen wird fast alles telefonisch oder per E-Mail bearbeitet. Wir arbeiten momentan in zwei Gruppen abwechselnd im Homeoffice und im Büro. Teambesprechungen und Arbeitsgruppentreffen werden per Video- oder Telefonkonferenz durchgeführt. Technisch lernen wir zurzeit viel von unseren Kindern und aus dem Internet.

Frage: Viele Themen kann man schlecht am Telefon regeln, andererseits soll ja Abstand gehalten werden. Wie funktioniert das in diesen Tagen?

Antwort: Für Frauen, die eine Beratung wünschen, bieten wir zunächst telefonische Beratung an. Je nach Anliegen beraten wir inzwischen auch wieder persönlich, jetzt aber mit Mundschutz und Mindestabstand. Informationen zu Leistungen, wie z.B. dem neuen Not-Kinderzuschlag, lassen sich gut auch am Telefon vermitteln. 

Frage: Das bundesweite Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen verzeichnet knapp 20 Prozent mehr Anrufe seit Beginn der Krise und auch Frauenhäuser melden eine vermehrte Nachfrage.  Wie ist die Situation im Wetteraukreis?

Antwort: Bereits vor der Krise waren viele Frauenhäuser in Hessen zeitweise voll ausgelastet, so auch das Frauenhaus im Wetteraukreis. Dieses hat sich nun entschieden, kurzfristig und bis zum Jahresende befristet 8 Plätze aufzustocken. Wir haben von Seiten des Wetteraukreises den Leistungsvertrag mit dem Frauenhaus ebenso befristet aufgestockt. Somit kann der Mietanteil für maximal 8 zusätzliche Plätze bis zum 31.12.2020 übernommen werden. Wir sind froh, dass diese Aufstockung gelungen ist. Innerhalb kürzester Zeit waren die zusätzlichen Plätze bereits belegt. Das zeigt ja, dass der Bedarf da ist.

Frage: Ist es für Frauen mit Migrationshintergrund und geflüchtete Frauen nun auch schwerer?

Antwort: Viele Sprachkurse werden nun auf Online-Angebote umgestellt. Viele Träger, so zum Beispiel die vhs, bieten nun die Sprachkurse als Online-Kurse an. Es ist natürlich toll, dass es trotzdem weitergeht. Aber es ist für all jene besonders schwierig, die nicht die nötige technische Ausstattung haben oder aufgrund von großen Sprachbarrieren solche Angebote kaum nutzen können.

Frage: Im aktuellen Jahresbericht des Fachdienstes wird deutlich, dass Sie viele Veranstaltungen, Projekte und Aktionen gemeinsam mit Kooperationspartner/innen, Netzwerken und in Arbeitsgruppen umsetzen. Das ist ja im Moment nicht möglich – wie  gehen Sie damit um?

Antwort: Viele Veranstaltungen wurden abgesagt oder es ist unsicher, ob und wann diese stattfinden können. Das ist auch für unsere Planung schwierig, da gegenwärtig niemand seriös einschätzen kann, ab wann größere Gruppentreffen wieder möglich sein werden.

Der Girls Day und der Boys Day wurden abgesagt und ob die Mädchenaktionstage im Herbst in der geplanten Form stattfinden können, ist ungewiss. So müssen wir flexibel planen und auch neue Wege gehen.

Es gibt auch neue und interessante Angebote, die aus der Krise geboren sind. Viele Veranstalterinnen bieten jetzt kostenfreie Webinare für Frauen an, wie das Büro für staatsbürgerliche Frauenarbeit Hessen oder die Beauftragte für Chancengleichheit der Agentur für Arbeit Gießen/Friedberg. Die Jugendeinrichtungen überlegen sich virtuelle Mitmach- und Hilfsaktionen, zum Beispiel ein Mal-und Schreibwettbewerb für die Senioren und Seniorinnen, die derzeit ohne Besuch auskommen müssen. Auf unserer Webseite sind diese Angebote zu finden und wir geben in Kürze einen Newsletter heraus, in dem wir einen Überblick über die neuen Angebote für Frauen und Mädchen geben.

Frage: Stichwort Homeoffice – für viele Eltern ist dies zurzeit ja auch die einzige Möglichkeit, Beruf und Familie zu vereinbaren. Für alle, insbesondere für Alleinerziehende, ist es aber auch eine große Belastung, da sie ihre Kinder betreuen und gleichzeitig arbeiten sollen. Ist es daher als Modell wirklich empfehlenswert?

Antwort: Homeoffice kann im Wechsel mit Büropräsenz zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Eltern, natürlich auch für Väter, sinnvoll sein. Wenn es zum Beispiel Termine gibt, wie einen Besuch beim Kinderarzt, lässt sich dies leichter einplanen. 

Aber eins wurde in dieser Krise deutlich: Homeoffice ohne Kinderbetreuung geht nur sehr schwer. Was Eltern, meist sind es die Mütter, zur Zeit leisten mit Homeschooling, Hausarbeit und dabei noch Homeoffice, ist auf Dauer nicht möglich.

Zu hoffen ist, dass die schrittweise Öffnung von Kitas und Schulen für alle Eltern bald Erleichterungen bringt.

Frage: Zurzeit arbeiten viele Menschen, auch in der Verwaltung, im Homeoffice und Treffen finden per Telefonkonferenz statt. Wie schätzen Sie dies für die Zeit nach der Pandemie ein und ist dies erstrebenswert?

Antwort: Wir sehen zurzeit, wie viel möglich ist, was vorher nicht für möglich gehalten wurde. Ich würde mir wünschen, dass wir den Schwung der Notwendigkeit digitalisierter zu arbeiten aus der Krise mitnehmen und viel stärker Homeoffice und vernetztes Arbeiten einsetzen.

Ich kann mir gut vorstellen, dass dosiert eingesetzte und gut geplante Video- und Telefonkonferenzen uns auch in Zukunft Wegezeiten durch Treffen ersparen könnten, gerade im großflächigen Wetteraukreis. Oder wir könnten Teilnehmende, die sonst nicht kommen können, virtuell dazu schalten. Aber wir freuen uns sicher alle sehr, wenn persönliche Treffen in Gremien und Arbeitsgruppen wieder stattfinden können.

veröffentlicht am: 06.05.2020

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